Anfang 2019 gab es großen Aufruhr – denn ohne jegliche Vorwarnung und ohne, dass irgendjemand damit gerechnet hätte, wurden Polnische Diplome in Deutschland nicht mehr mit einer
Approbation versehen. Hunderte deutsche Ärzte/innen, die ihr Studium zu dem Zeitpunkt in Polen abgeschlossen hatten, durften nicht anfangen zu arbeiten. Aber was genau ist passiert?

Ursprünglich war es so, dass deutschen Medizinstudierenden in Polen nach 6 Jahren Studium die Approbation von der Ärztekammer ohne Probleme zugeteilt wurde. Dies ist allerdings eine
Ausnahme gewesen: denn hätte man in Polen praktizieren wollen, wäre das Studium nach diesen 6 Jahren noch lange nicht beendet. Von polnischer Seite aus wird nämlich noch ein zusätzliches
praktisches Jahr, das sog. „Staz“ und ein Abschlussexamen (das LEK – Lekarski Egzamin Koncowy) gefordert. Danach hätte man von polnischer Seite aus die vollständige Arbeitserlaubnis.

Durch die hohe Qualität des polnischen Studiums und dem chronischen Ärztemangel in Deutschland hat sich die Ärztekammer in Deutschland allerdings entschlossen, ein polnisches
Studium schon nach 6 Jahren anzuerkennen – und das ohne LEK und Staz.

Also was hat sich genau geändert? Hat Deutschland das Problem des Ärztemangels gelöst oder wieso hat sich an dieser Situation etwas geändert?

Die Antwort: Bürokratie und schwammig formulierte Richtlinien, von polnischer Seite aus. Im Sommer 2019 wurde durch erneutes Kontrollieren der polnischen Richtlinien und
Anforderungen an Studierende festgestellt, dass diese in katastrophalem Englisch verfasst worden sind und deshalb nicht als ausreichend „wertbar“ anzusehen wären. Das Privileg, LEK und Staz als Deutsche/er nicht mehr machen zu müssen löste sich somit damit in Luft auf. Von diesem Zeitpunkt an benötigte man zuerst die volle polnische Approbation, bevor man die Deutsche erhalten konnte.

Da polnische Universitäten sich nicht auf diese Änderungen vorbereiten konnten, gab es zu diesem Zeitpunkt nicht einmal die Möglichkeit, das LEK auf Englischer Sprache zu schreiben, geschweige denn gab es Programme für englischsprachige Studierende, um das zusätzliche praktische Jahr (Staz) abzulegen. Polnische Universitäten wussten von dieser Änderung genau so wenig wie die Studierenden selbst.

Was ist der aktuelle Stand? Die Möglichkeiten das LEK und das Staz auf englischer Sprache abzulegen, wurde von den meisten polnischen Universitäten schnellstmöglich eingerichtet. Auch
bemüht sich das polnische Bildungsministerium darum neue, verständlichere Richtlinien zu verfassen um das Problem schnellstmöglich zu lösen. Dennoch wird es wohl eine Weile dauern bis
diese auch von deutscher Seite akzeptiert werden.

Da es in Deutschland ein Feudalsystem gibt, besitzen die Bundesländer auch eigenen Handlungsspielraum, was die Arbeitserlaubnis angeht. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg
und seit Juni auch Nordrhein-Westfalen bieten einen sehr interessanten Weg an, um die Hürden des LEK und Staz zu umgehen: Sie erteilen nach 6 Jahren Studium eine vorläufige Arbeitserlaubnis. Man arbeitet in dieser Zeit entgeltlich und ohne Einschränkungen als Assistenzarzt/Assistenzärztin in einem Klinikum der jeweiligen Bundesländer. Die vorläufige Berufserlaubnis wird automatisch in eine anerkannte Approbation umgewandelt, sobald eine Eignungsprüfung nach einem Jahr ,,Arbeiten auf Probe“ abgelegt wurde.

Wie wird das in Zukunft? Meiner Meinung nach wird sich diese Problematik innerhalb der nächsten Jahre von selbst lösen. Das Medizinstudium in Polen ist qualitativ mit dem in Deutschland vergleichbar, die Erfahrungen mit polnischen Assistenzärzten/Assistenzärztinnen gut und der akute Ärztemangel an deutschen Kliniken begünstigt die Situation zusätzlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Bundesländer nachziehen werden und ebenfalls das oben beschriebene Konzept der vorläufigen Berufserlaubnis umsetzen ist hoch. Damit sollten sich, meiner Meinung nach zukünftige Studierende, die mit dem Gedanken spielen in Polen zu studieren, keine Sorgen darum machen, ,,umsonst“ zu studieren.

 


Wir bedanken uns bei Richard Plem von Team von Breslau-Medizin für diesen interessanten Gastbeitrag. Falls du dich für das Medizinstudium in Polen interessierst & noch auf der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner bist, schau hier vorbei. Hier bekommst du alle Informationen zu dem Team von Breslau-Medizin, ihrem Angebot und unserem gemeinsamen Gutschein.